Disposables aka Einwegdampfen

Disposables aka Einwegdampfen

Eine Erklärung und Bewertung von Einweg-E-Zigaretten sowie ihre Geschichte am Markt und ihre Vor- und Nachteile. Wo kommen sie her und wieso sollte man die Produkte aus vielen Gründen ablehnen. Vor allem der Umweltaspekt ist hier direkt zu erwähnen. Und warum sehen wir aktuell wieder einen Boom in diesem Marktbereich.

Vorwort:

Wir wollen zuerst der Unterschied zwischen einer „Disposable“ und einem Podsystem klar definieren.

Disposable: Eine E-Zigarette, die mit Liquid vorgefüllt und mit einem geladenen Akku versehen ist. Man kann weder das Liquid nachfüllen noch den Akku nachladen. Ist der Tank leergedampft oder der Akku erschöpft, wird das komplette Teil weggeworfen.

Prefilled (geschlossenes) Podsystem: Die Pods sind vorgefüllt und nicht nachfüllbar, aber wenn sie leer sind, sind sie als Ganzes einfach tauschbar. Der Akku und Elektronikteil wird nachgeladen und mehrfach (meist mehrere Hundert Mal) genutzt.

Offenes Podsystem: Wie die prefilled Podsysteme, aber das Liquid in den Pods ist nachfüllbar. Je nach Nutzungshäufigkeit und Liquid kann der Pod durchaus 2 – 4 Wochen halten.

Die Geschichte der Einweg-Produkte kann man bis 2004 zurückverfolgen. Es ging also direkt zum Beginn des Dampfens schon damit los. (1)

Vorteile der Disposables

– Es soll für den Kunden so einfach sein wie Zigaretten das auch sind. Kaufen, Schachtel aufmachen und los gehts. Nichts mit Akku laden, kein Liquid einfüllen und auch nichts was man kompliziert bedienen muss. Auspacken und dran ziehen ist alles. Wie bei Kippen.

Damit ist der Hauptvorteil der Disposables auch schon gefunden.

Grade zu Beginn der Geschichte der E-Zigarette, als Akkus und Tanks noch in den Kinderschuhen steckten, hatten diese Modelle ihre erste Blütezeit. Auch weil es noch kaum Dampfer gab, keine Fachgeschäfte und man auch im privaten Umfeld keine Ansprechpartner hatte bei Problemen.

Und dann verschwanden sie ab ca. 2011 mehr und mehr vom Markt und wurden von moderneren System, die meist nachfüllbar waren, verdrängt. Zumindest waren diese Systeme nachladbar. Die Marktanteile der Disposables waren bis 2019 recht vernachlässigbar. Der vermutlich relevanteste Vertrieb war in dieser Zeit njoy in den USA und diese sind 2016 in Chapter 11 gegangen.(2)

Nachteile

– Einer der großen Nachteile der Einwegsysteme war und ist der Preis! Die Kosten der Disposable liegen zwar oft unter den Kosten für Zigaretten, aber immer noch merklich über denen von nachfüllbaren System. Und das um den Faktor 200-1000%

– Auch die Möglichkeit, das Gerät einfach aufzuladen und nachzufüllen und so auf Reisen weniger mit sich rumzutragen, ist relevant. Ein Netzteil mit USB Ausgang hat man auf Reisen alleine wegen dem Mobiltelefon heute sowieso dabei und eine 10 ml Liquidflasche, die bei nachfüllbaren Podsystem meist für ca. 5 Nachfüllungen reicht, nimmt auch nur wenig Platz ein.

– Viel wichtiger ist aber der Umweltaspekt! Es gilt es zu beachten, dass Einwegdampfen nicht in den Hausmüll bzw. den Mülleimer an der Straße gehören, sondern quasi „Sondermüll“ bzw. „Elektroschrott“ sind.

Podsysteme generell

Ab ca. 2017 gab es ausgehend von den USA einen Boom von extrem einfachen, vorgefüllten Podsystemen, wie Juul, Vuse und Blu die den bis dahin von offenen Systemen beherrschten Markt quasi komplett aufgerollt haben. Klein und handlich, preiswerter als Kippen und im Supermarkt erhältlich waren ein Erfolgsmodell, das den Dampfermarkt mehrheitlich übernommen hat. Der vorher dominante Hobby- und Fachhandelsmarkt wurde dabei zumindest in den USA dabei hart getroffen. Natürlich gab es auch vor 2017 solche Produkte am Markt, aber der große Boom fing da an.

Dabei muss man aus deutscher Sicht allerdings einige Besonderheiten des dortigen Marktes beachten:

  1. Die Zigarettenpreise in den relevanten Märkten (Ost- und Westküste) liegen merklich über denen in Deutschland. Und diese stellen das maximale Preisniveau für den Dampfermarkt dar
  2. Es gibt und gab in den USA primär einen Markt für fertige Liquids mit Nikotin im Fachhandel. Das Preisniveau dafür war und ist merklich höher als in Deutschland. Das macht prefilled Pods für die Kunden merklich interessanter, als das hier der Fall ist.
  3. Der US-Fachhandel und auch die dortigen Anbieter waren sehr stark auf den reinen (DL) Hobbymarkt ausgerichtet und haben den umsteigenden Raucher komplett vergessen (3). Das sah man massiv im Produktsortiment, das angeboten und auch in den USA hergestellt wurde.
  4. Dort sind sehr hohe Nikotinstärken von bis zu 60mg/ml erlaubt und werden auch genutzt.

Wieso sehen wir ein Revival der Einwegprodukte?

Diese Frage stellen sich aktuell viele und die wichtigsten Antwort kann man recht einfach finden:

  1. Die in vielen Ländern aufkommenden Restriktionen, was den Handel mit E Zigaretten angeht, kombiniert mit dem Lobbyismus gegen selbige führt zum Rückgang vom Fachhandel.
  2. Versandhandelsverbote verschärfen das Thema noch.
  3. Disposables verkaufen sich auch ohne Beratung und Einweisung gut und sind „Idiotensicher“ bedienbar. Von daher sind sie ein Produkt, das man in Tankstellen und Supermärkten neben der klassischen Zigarette verkaufen kann ohne jeden Beratungsaufwand. Auspacken und losdampfen.

Man darf auch nicht vergessen, dass der weltweite Dampfermarkt aktuell in einer schweren Krise steckt. In den Jahren 2015-2018 konnten die Hersteller sowohl von Hardware als auch von Flüssigkeiten ihre Umsatzzahlen monatlich steigern.

Quasi jeden Monat kamen neuere und innovativere Produkte auf den Markt, die den Kunden einen Vorteil boten.

Die große Innovationswelle ist aber vorbei. Selbst die preisgünstigen Einsteigerprodukte liefern heute auf einem Niveau, das den meisten Kunden einfach ausreicht.

Bei den Liquids gibt es ein fast schon absurdes Überangebot.

Da der Verkauf von Dampfartikeln aus dem Hobbysegment schon länger schwächelt, versuchen sowohl chinesische Hardwarefirmen als auch lokale Liquidanbieter aktuell ihr Glück mit Wegwerfprodukten, die man mit auf den Markt bereits bekannten Liquids füllt, um so einen einfachen Zugang zu den lokalen Märkten zu erreichen.

Fazit:

Aus Konsumentensicht muss man diese Wegwerfprodukte ablehnen. Allein der Umweltaspekt, der zu riesen Müllbergen führen wird, sollte das für jeden klar machen. Wer aktuell seine Hoffnung auf solche Produkte legt, denkt zu kurzfristig.

 

(1) https://www.iloveecigs.com/blog/en/what-is-a-disposable-e-cigarette-and-where-did-it-come-from/

(2) https://www.csbankruptcyblog.com/2016/09/articles/recent-developments/new-delaware-chapter-11-filing-njoy-inc/

(3) https://e-dampfen.info/glossary/direkt-auf-lunge-dampfen/

Marc Duerr im Auftrag des BVRA

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